Aktienrente

Die Aktienrente kommt! Was bedeutet diese für unser Rentensystem? Was machen Norwegen und Schweden mit ihren Staatsfonds schon lange richtig und was können wir lernen?

Die Aktienrente ist in aller Munde und Teil des Koalitionsvertrags der Ampelregierung. Von der FDP schon lange gefordert, soll es in diesem Jahr losgehen, zunächst ohne Einzahlung durch die Arbeitnehmer. Die Aktienrente soll das Rentenniveau und das -system stabilisieren. Warum wird es notwendig? Wird dies funktionieren und wie kann uns der Blick über den Tellerrand, zu den Staatsfonds von Norwegen und Schweden, helfen?

Inhalt

Die Umkehrung der Alterspyramide

Einer der Gründe für die geplante Einführung der Aktienrente ist schnell gefunden: der demografische Wandel in Deutschland. Gemeint ist damit die Überalterung der Gesellschaft: Wir leben immer länger und immer weniger Kinder werden geboren. Der Anteil der Rentenbezieher steigt kontinuierlich an. Das Rentenproblem erfährt in Kürze einen massiven Schub: Die Babyboomer gehen in Rente!

Die Babyboomer und welche Auswirkungen ihr Renteneintritt hat

Babyboomer, das sind die geburtenstarken Jahrgänge nach dem 2. Weltkrieg, im Allgemeinen meint man insbesondere die Jahrgänge 1960 bis 1964. In der westlichen Welt herrschte Wohlstand (Wirtschaftswunder) und dem klassischen Familienbild entsprachen viele Kinder.

Statistisch gesehen brachte im Jahr 1964 jede deutsche Frau 2,53 Kinder auf die Welt, dieser Wert wurde danach nie wieder erreicht.

Die in den 1950er und 1960er Jahren Geborenen stellen etwa ein Drittel der heutigen Bevölkerung. Die ersten Kinder dieser Generation sind bereits in Rente. Insgesamt sprechen wir von rd. 20 Millionen Babyboomern, die ab 2025 in den Ruhestand eintreten.
Ab 2030 gehen jährlich 500.000 Menschen mehr in Rente, als auf der anderen Seite ins Berufsleben starten.

Reformen sind schon lange nötig!

Das umlagenfinanzierte Rentensystem benötigt schon lange mehr als eine Auffrischung und ist aus einer Vielzahl an Gründen nicht zukunftsfähig. Das größte Problem hierbei ist die demografische Entwicklung. In Deutschland werden seit Jahrzehnten zu wenig Kinder geboren.

Dadurch verschiebt sich das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentenempfängern immer weiter. Aktuell ist das Verhältnis Arbeitnehmer zu Rentner in etwa 3:1, im Jahr 2030 wird es 2:1 sein. Die Belastung für den einzelnen Arbeitnehmers erhöht sich automatisch.

Im Jahr 2020 wurde die gesetzliche Rentenversicherung erstmals mit der Rekordsumme von 100 Mrd. Euro mit Mittel aus dem Bundeshaushalt bezuschusst. Die Mittel aus dem Bundeshaushalt decken seit einigen Jahren gut 30 % der Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung. Bundesmittel, das sind nichts anderes als Steuergelder!

Die Pläne der Ampelregierung zur Aktienrente

Von der FDP lange gefordert, war im Koalitionsvertrag geplant, eine Summe von 10 Mrd. Euro als Startbaustein in die Aktienrente einzuzahlen. Die Aktienrente soll als weiterer Baustein kapitalgedeckt, zentral und unabhängig verwaltet, die gesetzliche Rentenversicherung ergänzen. Die Bundesbank soll die Verwaltung übernehmen. Zukünftig sollen 10 Mrd. Euro jährlich aus Bundesmitteln (= Steuergeldern) dazukommen. Anfangs sollen Arbeitnehmer nicht einzahlen, eine spätere Beteiligung ist angedacht.

Gibt es bereits einen konkreten Termin, wann die Bundesbank ihre Arbeit aufnehmen soll? Nein.

Ist es, insbesondere seit dem Start des Kriegs in der Ukraine und der Verlagerung der Prioritäten der Bundesregierung, verdächtig still bei diesem Thema? Ja.

Aktienrente in Schweden

Als Vorbild für die neue Aktienrente in Deutschland wird häufig Schweden genannt. Dort begann man in 2000, einen Staatsfonds aufzulegen, in den 2,5 % des Bruttoeinkommens aller Arbeitnehmer fließen. Es ist eine verpflichtende Abgabe. Einzig über die Art der Anlage können die Schweden entscheiden: Entweder sie wählen aus einem Topf von mehreren hundert möglichen Fonds selbst aus oder das Geld fließt anderenfalls in den Staatsfonds AP7. Diese Variante wählen aktuell ca. 50 % der Arbeitnehmer. In den letzten 19 Jahren erzielte der Fonds eine Nettorendite (nach Kosten und inflationsbereinigt!) von ca. 9 % p.a.

Das schwedische System ist nur bedingt mit den deutschen Plänen vergleichbar. Anders als in Schweden soll das deutsche Modell (vorerst) ohne Einzahlung der Arbeitnehmer aufgebaut werden.

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Der berühmte norwegische Staatsfonds

Wenn man über staatliche Aktienfonds und Erfolgsmodelle einer modernen Rente spricht, dann muss man über Norwegen sprechen.

Bereits 1990 legte das Königreich den Staatsfonds auf, um die umfangreichen Leistungen des Sozialstaates zu finanzieren und sich vor Schwankungen an den Rohstoffmärkten zu schützen. Beispiele für die umfangreichen Leistungen sind die kostenfreien Universitäten, 100 % Krankengeld und eine Mindestrente von 1.600 Euro für jeden.

Norwegen investiert seine Einkünfte aus der Öl- und Gasproduktion an den globalen Finanzmärkten und hält Beteiligungen an rund 9.100 Unternehmen weltweit. Darüber hinaus investiert der Fonds in Anleihen, nicht börsennotierte Immobilien und Infrastruktur für erneuerbare Energien. 2021 erreichte der Fonds damit eine Rendite von 14,5 %.

Ein Kopieren des norwegischen Staatsfonds ist für Deutschland insofern nicht möglich, da wir nicht über Einkünfte aus dem Öl- und Gasgeschäft verfügen.

Was können wir von Schweden und Norwegen lernen?

Der gemeinsame Nenner ist schnell gefunden: Investitionen am Aktienmarkt, breit gestreut über Branchen, Länder und Währungen, kontinuierlich über viele Jahre bespart führen zu einem tragfähigen Rentensystem.

Welche Vor- und Nachteile bzw. Kritik an der geplanten Aktienrente gibt es?

Die Vorteile liegen auf der Hand: die Beteiligung am Aktienmarkt ermöglicht hohe Renditen. Durch die zentralisierte Verwaltung sollten die Kosten sehr niedrig gehalten werden können. Durch eine verpflichtende Teilnahme der Arbeitnehmer kann sich die Einstellung zu Aktien verbessern.

Kritiker beziehen sich vor allem auf die mit Aktieninvestments bezogenen Risiken. Außerdem stehen Befürchtungen im Raum, dass der Staat den Rententopf in Zukunft umwidmen könnte, um den Staatshaushalt zu sanieren. Weitere Kritik wird laut, weil eine aktienbasierte Rente wahrscheinlich erst langfristig ihre Vorteile für das Rentensystem ausspielen kann. Von Gewerkschaftsseite wird angeprangert, dass die Arbeitgeber bei der Finanzierung außen vorgelassen würden. Vermögensverwalter sehen das Problem, dass der Staat kein guter Verwalter sein könnte (Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…)

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