Europarente (PEPP)

Europarente (PEPP) – Gut gedacht, schlecht gemacht?

Seit dem 22.03.2022 ist es rechtlich möglich, die sog. Europarente (PEPP Pan-European Personal Pension Product) abzuschließen. Das private Vorsorgeprodukt kann für Digitale Nomaden und jeden Europäer, der für einige Jahre in einem oder mehreren EU-Land leben möchte, interessant sein. Die Europarente kann über Ländergrenzen mitgenommen werden und soll durch Transparenz und niedrige Kosten überzeugen.

Inhalt

Was ist die Europarente (PEPP) und was ist ihr Ziel?

Vor dem Hintergrund einer sich verändernden Arbeitswelt soll die Europarente ein Instrument zur Bekämpfung von Altersarmut in ganz Europa sein. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt verfügen lediglich ca. 27 % aller Europäer zwischen 25 und 59 Jahren über ein privates Altersvorsorgeprodukt.

Die Internationalisierung von Arbeitsbiografien, durch Digitale Nomaden und alle, die für einige Jahre in einem oder mehreren EU-Ländern leben möchten, erfordert ein neues Denken. Man hofft, mit der Europarente ein Instrument geschaffen zu haben, welches sich an die Bedürfnisse, zumindest auf europäischen Boden, in Bezug auf die Altersvorsorge anpasst.

Sie richtet sich grundsätzlich an jeden Bürger eines EU-Mitgliedslandes, egal ob Angestellter, Hausmann oder Selbständige.

Das PEPP soll ein Baustein sein, die jeweiligen Rentensystemen in den einzelnen Staaten zu ergänzen, nicht zu ersetzen.

Um als PEPP zugelassen zu werden müssen die Anbieter (z. B. Versicherungsgesellschaften, Banken, Vermögensverwalter, Wertpapierfirmen und betriebliche Pensionsfonds) diverse Anforderungen erfüllen, u.a. werden folgende Punkte verlangt:

– Möglichkeiten der flexiblen Ein- und Auszahlung
– Eine (auch grenzübergreifende) Vergleichbarkeit
– Einfacher Aufbau
– Wechselrecht: alle 5 Jahre
– Niedrige Kosten

Außerdem gibt es Empfehlungen, die Angebote steuerlich zu fördern. Wie dies jedoch konkret aussehen soll bleibt den einzelnen Staaten überlassen. Aktuell gibt es seitens der Bundesregierung keinerlei Äußerungen zu einer evtl. Förderung dieser Angebote.

Welche Vorteile bietet die Europarente?

Es handelt sich um ein grenzübergreifendes Finanzprodukt. Damit soll der Wettbewerb, zwischen den Anbietern in den einzelnen Ländern, angekurbelt werden.

Der vorgeschriebene Kostendeckel ist im Vergleich zu vielen teureren Produkten ein enormer Pluspunkt. Auch die Tatsache, dass es einheitliche Kriterien für die PEPP gibt, dürfte zu einer erheblichen Transparenz beitragen.

Was sind die Kritikpunkte an der Europarente?

Bezeichnend ist, dass zum jetzigen Zeitpunkt (offizielles „Go“ war am 22.03.2022) noch kein Anbieter ein PEPP anbietet. Ursächlich könnte der Kostendeckel sein, der einzuhalten ist und eventuell davon abhält, hohe Produktions-, Rechts- und Vertriebskosten im Vorfeld zu produzieren. Inwiefern sich dies für die Zukunft ändert, ist ungewiss.

Weitere Punkte, die zur Unsicherheit beitragen könnten, sind die unklaren (wenn überhaupt eintretenden) steuerlichen Förderungen sowohl in der Ansparphase, als auch in der Auszahlphase. Es wäre wünschenswert, wenn es eine europaweite einheitliche Regelung gäbe. Dies ist m.E. jedoch wirklich nur Wunschdenken, wenn man bedenkt, wie viele unterschiedliche Systeme, Ansichten und Prioritäten in den einzelnen europäischen Ländern existieren.

Wie ist die Europarente umsetzbar, bei der Vielzahl an Steuersystemen?

Hat man mit der Europarente (in seiner jetzigen, mehr oder weniger zu überblickenden Form) ein Bürokratiemonster geschaffen?

Beispiel: Du lebst im Laufe deiner Erwerbsbiografie in verschiedenen Ländern Europas, etwas, das in der Zukunft völlig normal sein wird. In Frankreich triffst du auf Steuerregel A, in Spanien Regel auf B, in Italien auf Regel C und in Deutschland auf Regel D. Dies mag vielleicht noch akzeptabel sein, sobald der Vertrag im jeweiligen Land „angemeldet“ ist. Was aber, wenn du ins Rentenalter eintrittst? Wie wird die Versteuerung der Rente – evtl. in Belgien oder aber Griechenland – mit den jeweils unterschiedlichen Steuervergünstigungen aus der Ansparphase in Abgleich gebracht?

Finanzcoaching

Dein Vorsorgecoach meint:

Jeder Schritt zur Bekämpfung von Altersarmut ist zu begrüßen. Primär sollte es dabei um einkommensschwächere Personen und Haushalte gehen. Daher sollte es für die Europarente nicht nur steuerliche Anreize geben – diese punkten bekannterweise in höherem Maße für einkommensstarke Steuerzahler.

Ungeachtet dessen finde ich den Ansatz, auf die sich verändernde, mobile Arbeitsrealität mit den PEPP zu reagieren, sehr lobenswert. Ich hoffe, dass es europaweit genügend Anbieter gibt, die sich der Herausforderung der Kostendeckelung stellen wollen und auch können.

Die grundsätzliche Notwendigkeit privat und eigenverantwortlich fürs Alter vorsorgen zu müssen, ob mit oder ohne PEPP, bleibt erhalten.

Leseempfehlung: In Deutschland soll die Aktienrente eingeführt werden. Wie funktioniert diese und welche Vor- und Nachteile gibt es?

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